Interview mit Frau M.F. - November 2008

„Hatte den Wunsch, einen positiven Aspekt in die Gesellschaft einzubringen“

H&H: Frau F., Sie sind jetzt bereits seit dem Jahr 2002 via Hilfe&Hobby freiwillig tätig. Deshalb freut es mich besonders, dieses Interview mit Ihnen machen zu können...
Was war Ihre Motivation, sich für eine freiwillige Tätigkeit zu melden?

Frau F.: Um ehrlich zu sein, ich habe die erste Zeit in der Pension sehr genossen, es war vor allem angenehm, keine Pflichten zu haben und soviel Zeit zum Reisen! Der eigentliche Beweggrund, warum ich mich auf ein Zeitungsinserat hin bei Hilfe&Hobby meldete, war meine Neugierde auf das, was da so auf mich zukommen würde.  Mein grundsätzliches Interesse an Freiwilligenarbeit entsprang vor allem dem Wunsch, dass ich einen positiven Aspekt in die Gesellschaft einbringen wollte.

H&H: Erinnern Sie sich noch an Ihre damaligen Erwartungen und gab es auch einmal eine Krise, haben Sie zwischendurch einmal daran gedacht, die Freiwilligenarbeit wieder zu beenden?

Frau F.:  Ich hatte überhaupt keine konkreten Erwartungen, außer, dass ich Spaß haben und bereiten wollte, das war mir wichtig. Ansonsten war ich offen und wollte mich überraschen lassen. Krise hatte ich nie eine, es hat von Anfang an alles gepasst und so ist das bis heute.

H&H: Sie sind seit dem Jahr 2002 beim Salzburger Blinden- und Sehbehindertenverband (SBSV) und bei der Lebenshilfe Salzburg freiwillig tätig. Erzählen Sie uns bitte, welche Aufgaben Sie hier übernommen haben?

Frau F.: Beim SBSV helfe ich bei allen Festen und Feiern mit, so bin ich z.B. immer beim monatlichen Kaffeekränzchen im Einsatz, ebenso bei der Muttertags- und Adventfeier oder beim Grillabend. Natürlich werden auch runde Geburtstage gefeiert. Besonders nett ist die Faschingsfeier, zu der etwa 50 Vereinsmitglieder kommen. Wir beginnen mit den Vorbereitungen am frühen Nachmittag und feiern bis drei oder vier Uhr früh. Seit einer Renovierung steht uns dafür jetzt ein größerer Festsaal mit einer schönen Bar zur Verfügung.
Der Verein ist sehr aktiv, es gibt ein breites Freizeitangebot und es  finden regelmäßige Ausflüge statt Der Zusammenhalt unter den Leuten ist sehr groß, wenn jemand Probleme hat oder krank ist, beobachte ich große gegenseitige Anteilnahme.
Ich denke, ich würde ebenfalls fehlen, wenn ich nicht mehr kommen würde.  Es wird auch immer gleich nachgefragt, wenn ich einmal verhindert bin, denn über all die Jahre ist eine starke Bindung entstanden.

H&H: Wie erleben Sie die Begegnung mit den sehschwachen oder blinden Menschen?

Frau F.: Wer vollblind ist, erkennt mich natürlich an meiner Stimme. Und ich denke, dass die Menschen eine Art „7. Sinn“ entwickeln. Ich bewundere immer wieder, wie selbstsicher sich die Leute in den Räumlichkeiten des SBSV bewegen. Das ist für mich als Sehende schon beeindruckend!

H&H: Sie haben beim Verein Lebenshilfe dann ebenfalls eine Reihe von freiwilligen Tätigkeiten übernommen. Womit haben Sie begonnen?

Frau F.: Auch hier galt für mich von Anfang an, dass ich mit den Menschen, für die ich mich engagiere, Spaß haben will und da bietet sich der Freizeitbereich besonders an.
Von März 2002 bis Juli 2004 habe ich eine 14-tägige Einzelbetreuung für einen Klienten der Lebenshilfe übernommen. Der Mann wollte vor allem eine Begleitung für Spaziergänge, so gingen wir oft auf den Mönchsberg oder auf den Kapuzinerberg, gelegentlich gingen wir in einen Gasthof essen.
Seit August 2004 begleite ich jetzt einen anderen Klienten. Er kann zwar selbständig gehen, ist aber etwas instabil, deshalb sind wir immer mit dem Rollstuhl unterwegs. Wir unternehmen Spaziergänge, gehen ins Kino oder in ein nettes Lokal. Allerdings gibt es in Salzburg noch zu wenige behindertenfreundliche Lokale, barrierefreie Zugänge sind noch nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit.

H&H: Können Sie einschätzen, welche Bedeutung diese Unternehmungen für den Klienten haben?

Frau F.: Also, ich rufe immer ein, zwei Tage vor den Treffen bei den BetreuerInnen an und es wird mir oft gesagt, dass sich der Klient schon riesig auf mein Kommen freue! Und ich erlebe auch, dass er seine Freude so richtig zeigen kann. Denn er hat durch diese Freizeitaktivitäten mit mir die Chance, einmal ganz aus seiner gewohnten Umgebung im Wohnheim und in der Werkstätte heraus zu kommen und Freizeitprogramm außerhalb einer Gruppe machen zu können.

H&H: Sie haben mittlerweile sehr viel Erfahrung im Umgang mit behinderten Menschen. Mir ist aufgefallen, dass Sie einen guten Blick für die Begabungen der einzelnen entwickelt haben.

Frau F.: Natürlich, es werden in den Werkstätten beispielsweise sehr schöne Produkte von behinderten Menschen gefertigt. Es ist interessant, was es da an kreativem Potential gibt., fast jede/r kann irgendetwas. Es gibt auch Behinderte, die selbst nichts tun können, für mich war das eine interessante Beobachtung, dass sich um diese dann andere Behinderte kümmern.

H&H: Sie sind über die Lebenshilfe auch bei wichtigen Veranstaltungen freiwillig im Einsatz.

Frau F.: Ja, ich war jetzt schon mehrere Male als Begleiterin bei der Langlaufwoche für mental eingeschränkte Menschen im Lungau mit, die jeweils Ende Jänner stattfindet. Die TeilnehmerInnen kommen aus Österreich, Bayern und Slowenien. Am Beginn stehen die Trainingsstunden und dann finden die Bewerbe statt. Wir wohnen in Tamsweg, zum Langlaufen geht es an den  Prebersee. Bei Schneemangel sind wir auch schon auf den Tauern ausgewichen. Das ist immer eine sehr intensive Woche und schließlich fahren alle TeilnehmerInnen mit einer Urkunde oder mit einer Medaille nach Hause.
Und ich war auch schon mehrmals als Begleitperson beim Sommerurlaub einer kleinen Gruppe aus dem „Betreuten Wohnen“  mit dabei. Gemeinsam mit den BetreuerInnen und einem Zivildiener ging es z.B. diesen Sommer an den Ossiachersee.

H&H: Ich erinnere mich, dass Sie sich auch bei verschiedenen Verkaufsaktionen engagiert haben, z.B. bei einem Stand der Lebenshilfe.

Frau F.: Stimmt, ich war beim Verkaufsstand bei den „Salzachgalerien“ dabei, da wurden handwerkliche Produkte aus den Werkstätten der Lebenshilfe verkauft oder beim Kartenverkauf bei einer Theateraufführung, bei der KlientInnen der Lebenshilfe mitgewirkt haben. Zweimal pro Jahr findet der große Lebenshilfe-Flohmarkt statt, der jeweils drei Tage lang dauert. Seit Herbst 2005 helfe ich da jetzt mit und das macht immer Spaß.

H&H: Was ist für Sie wichtig, dass eine freiwillige Arbeit erfolgreich verlaufen kann?
Und haben Sie einen Tipp für Leute, die gerade planen, eine freiwillige Tätigkeit zu übernehmen?
 
Frau F.: Für mich persönlich ist das ganz einfach: Der freiwillige Einsatz muss mir Spaß machen! Als Tipp würde ich sagen: Die Freiwilligenarbeit muss für einen selbst eine Bereicherung sein, nur so kann man mit schwierigen Situationen umgehen und nur so kann ich den betreuten Personen auch etwas bieten. Und damit ist man dann schon auf einem guten Weg!

H&H: Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Freude bei Ihrem freiwilligen Engagement!




« zurück